Anästhesie (Narkose) - Übersicht

Im folgenden Text wird zur besseren Lesbarkeit die männliche Form als geschlechtsneutral verwendet.

Schmerzfrei und Sicher

Operationen und auch grössere medizinische Untersuchungen können heute sehr sicher und weitgehend schmerzfrei durchgeführt werden.
Anästhesie (Narkose) bedeutet Unempfindlichkeit. Das Anästhesieteam überwacht vor, während und nach dem Eingriff den Kreislauf, die Atmung und die anderen wichtigen Organsysteme.
Ob am Kopf, am Bauch oder am kleinen Finger operiert wird - jede Anästhesie wird gleich sorgfältig vorbereitet, durchgeführt und abgeschlossen. Obwohl trotzdem ein Restrisiko von Komplikationen bestehen bleibt, hat die moderne Anästhesie einen sehr hohen Grad an Sicherheit erreicht.

Begriffe

  • Allgemeinanästhesie/Vollnarkose: Schlafzustand (Bewusstlosigkeit) kombiniert mit Unempfindlichkeit
  • Regionalanästhesie/Teilnarkose: Nur ein Körperteil wird unempfindlich gemacht. Methoden: Spinalanästhesie und Periduralanästhesie (=Epiduralanästhesie) sind Halbanästhesien des unteren Körperteils; periphere Nervenblockaden machen Beine, Arme und andere Körperteile unempfindlich.
  • Lokalanästhesie/Lokalbetäubung: Betäubung einer kleinen Körperstelle (Finger, Wunde)
  • Prämedikation: Verabreichung beruhigender Medikamente vor dem Eingriff (meist in Tablettenform)

Das Anästhesieteam

Zum Anästhesieteam gehören speziell ausgebildete Ärzte und Pflegefachpersonen. Die Weiterbildung zum Facharzt für Anästhesiologie dauert nach dem Medizinstudium mindestens fünf Jahre, die Weiterbildung zur Anästhesiepflegeperson dauert nach dem Diplom für Krankenpflege weitere zwei Jahre.
Die Anästhesieärzte sind neben der Arbeit der Anästhesie häufig auch in den Notfallstationen und in der Intensiv- und Schmerzmedizin tätig und unterstützen dort die anderen Fachdisziplinen. Zusätzlich versorgen sie als Notärzte vital gefährdete Patienten beim Einsatz im Rettungswesen.

Vor dem Eingriff

Vor Operationen und grösseren Untersuchungen und Interventionen in Anästhesie klärt ein Arzt aus dem Anästhesieteam den Allgemeinzustand ab und bestimmt die Eignung zur Anästhesie. Je genauer der Gesundheitszustand und die Lebensgewohnheiten des Patienten bekannt sind, umso besser können die verträglichen Medikamente und die geeignete Anästhesieform ausgewählt und empfohlen werden.
Bei einer Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) schläft der ganze Patient, bei einer Regionalanästhesie (Teilnarkose) wird nur der betroffene Körperteil schmerzunempfindlich gemacht.
Es ist sehr wichtig, dass der Patient Vertrauen in die bevorstehende Anästhesie hat. Deshalb werden beim Vorbereitungsgespräch die Umstände und Abläufe des Eingriffs genau erklärt. Es ist sehr wichtig, dass die Patienten den Anästhesieärzten mitteilen, was sie bedrückt, verängstigt und vor allem auch, was sie nicht verstehen. Für die Ärzte ist es oft schwierig, die Fachausdrücke bei den Gesprächen mit verständlichen Worten zu ersetzen.

Während des Eingriffs

Das Anästhesieteam überlässt nichts dem Zufall und bemüht sich auch, den vorgesehenen Operationszeitpunkt und die Zeitdauer einzuhalten. Verschiebungen oder Verzögerungen kommen wegen Notfalleingriffen oder vorgehend längerer Operationsdauer leider trotzdem vor.
Die vielen Geräte und technischen Einrichtungen, die vor Einleitung einer Anästhesie am Patienten angelegt werden, kontrollieren ununterbrochen den Kreislauf, die Atmung, die anderen wichtigen Körperorgane und die Schlaftiefe. Dadurch wird abgesichert, dass bei abnormen Veränderungen der Körperfunktionen sofort die entsprechenden Gegenmassnahmen eingeleitet werden können.

Schema zur üblichen Überwachung bei Operationen/Eingriffen:

1: Herztätigkeit 2: Blutdruck 3: Infusion 4: Sauerstoff

Und nach dem Eingriff

In den sogenannten Aufwachräumen werden Patienten nach Eingriffen von speziell geschultem Pflegepersonal genau beobachtet und überwacht, um Korrekturen der Flüssigkeitszufuhr, der Atmung, des Kreislaufes einzuleiten und um Schmerzen und Unruhe zu behandeln. Bei kleinen und kurzen Eingriffen läuft diese Phase eventuell in ambulanten Tagesstationen ab, bei einem sehr hohen Überwachungsbedarf oder bei kritischem Zustand auch in der Intensivstation.

Schmerzen nach dem Eingriff

Schmerzen sind natürliche und sinnvolle Körperreaktionen, da sie den Körper vor weiterem Schaden und vor Verletzungen bewahren. Allzu starke Schmerzen nach Eingriffen sind jedoch schädlich, da sie das Wohlbefinden stören, den Genesungsprozess beeinträchtigen und das Herz-Kreislaufsystem belasten.
Dem verantwortlichen Anästhesiearzt liegt die genügende Schmerzbehandlung deshalb sehr am Herzen. Als Basis werden Schmerzmittel in Form von Tabletten oder Injektionen verabreicht.
Nach grösseren und sehr schmerzhaften Eingriffen gibt es zusätzliche, technisch aufwendigere Techniken.
Darunter zählen die sogenannte patientenkontrollierte Analgesie (PCA). Dabei können sich die Patienten mittels einer elektronischen Infusionspumpe das intravenöse Schmerzmittel selbst dosieren.
Als weitere Verfahren sind die Schmerzbehandlungen über feine Katheter aufzuzählen. Diese werden meist unmittelbar vor dem Eingriff an periphere oder rückenmarksnahe Nerven gelegt. Entsprechend führen die Medikamente, die durch diese Katheter verabreicht werden, entweder zu peripheren Nervenblockaden oder rückenmarksnahen Blockaden (Peridural- bzw. Epiduralkatheter).
Die Patienten mit solchen Spezialtechniken der Schmerzbehandlung werden bis zu 2-7 Tagen nach den Eingriffen weiter 1-2x täglich vom Anästhesieteam besucht, um die Schmerztherapie zu kontrollieren und anzupassen.